Content-Audit: behalten, überarbeiten, zusammenführen oder löschen?
Ein Content-Audit sortiert alte Website-Inhalte in vier Gruppen — und zeigt, welche Seiten der Sichtbarkeit eher schaden als helfen.
Wer eine Website seit mehreren Jahren pflegt, hat meist mehr Seiten als Themen. Landingpages aus abgeschlossenen Kampagnen, Blogbeiträge zu überholten Produkten, zwei fast identische Texte zur gleichen Leistung — ein Content-Audit bringt Ordnung in diesen Bestand, bevor man an neue Inhalte überhaupt denkt.
Was ist ein Content-Audit?
Ein Content-Audit ist eine vollständige Liste aller Seiten einer Website, ergänzt um Kennzahlen aus der Google Search Console: Welche Suchanfragen bringen Klicks, welche Seite rankt für welches Keyword, wann wurde der Text zuletzt aktualisiert. Aus dieser Liste wird jede Seite einer von vier Gruppen zugeordnet. Das klingt nach Fleißarbeit, ist aber meist in einem Nachmittag für eine mittelgroße Website machbar — vorausgesetzt, man exportiert die Seitenliste aus der Sitemap statt sie händisch zu suchen. Wer regelmäßig SEO betreibt, sollte das Audit als festen Termin im Kalender einplanen, nicht als Reaktion auf einen Sichtbarkeitseinbruch.
Die vier Gruppen
Jede Seite landet in genau einer Gruppe, nicht in mehreren gleichzeitig:
- Behalten: Die Seite bringt Klicks, ist aktuell und beantwortet eine klare Frage. Nichts tun, außer vielleicht gelegentlich ein Datum oder eine Telefonnummer prüfen.
- Überarbeiten: Das Thema ist weiter gefragt, der Text aber veraltet, zu knapp oder beantwortet die Frage nur halb. Hier lohnt sich die Arbeit, weil bereits Sichtbarkeit vorhanden ist, auf der man aufbauen kann.
- Zusammenführen: Zwei oder drei Seiten behandeln dasselbe Thema aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln und konkurrieren dadurch in der Suche miteinander. Der stärkere Text bleibt, die Inhalte der schwächeren Seiten wandern hinein, die schwächeren Seiten werden per Weiterleitung auf die verbliebene Seite gelenkt.
- Löschen: Kein Klick seit Monaten, kein erkennbares Thema, das noch gesucht wird — etwa eine Landingpage zu einer Aktion von vor zwei Jahren. Hier reicht in der Regel eine 410-Antwort, weil die Seite dauerhaft verschwinden soll.
Woran man die Gruppe erkennt
Die Search-Console-Daten liefern die wichtigsten Hinweise, aber nicht die ganze Antwort. Eine Seite ohne Klicks ist nicht automatisch ein Löschkandidat — manche Seiten liefern gezielt Information für Kunden, die bereits angefragt haben, etwa eine Anfahrtsseite oder AGB. Umgekehrt ist eine Seite mit vielen Klicks, aber veraltetem Inhalt, der klare Fall für die Gruppe „Überarbeiten": Hier verschenkt man bereits vorhandene Sichtbarkeit. Wer unsicher ist, prüft zusätzlich, ob zwei Seiten in der Search Console für dieselbe Suchanfrage auftauchen — das ist ein zuverlässiges Zeichen für Kannibalisierung und damit für die Gruppe „Zusammenführen".
Ein Blick auf das Datum allein reicht nicht aus. Ein drei Jahre alter Ratgebertext kann weiterhin gut ranken, wenn sich an der Grundlage nichts geändert hat — etwa eine Erklärung, wie ein bestimmtes Verfahren grundsätzlich funktioniert. Veraltet ist dagegen eine Seite, die sich auf überholte Angaben stützt: ein Leistungsangebot, das es nicht mehr gibt, eine Rechtslage, die sich geändert hat, oder ein Verweis auf eine Software-Version, die längst abgelöst wurde. Genau diese inhaltliche Prüfung lässt sich nicht automatisieren, sie braucht einen kurzen Blick von jemandem, der das Thema kennt.
Was ist jetzt zu tun — und was nicht?
Ein Content-Audit lohnt sich vor allem, wenn eine Website über mehrere Jahre gewachsen ist, nach einem Relaunch oder wenn ältere Blogbeiträge und neuere Leistungsseiten inhaltlich überlappen. Nicht sinnvoll ist es, ein Audit als einmalige Aktion zu verstehen und danach nie wieder anzufassen — Suchanfragen und Angebote ändern sich, ein jährlicher Blick reicht aber meist aus. Ebenso wenig sinnvoll: Seiten vorsorglich löschen, nur weil sie alt wirken, ohne vorher die Such- und Klickdaten zu prüfen. Manche ältere Seite rankt besser, als ihr Erscheinungsbild vermuten lässt.
Kurz beantwortet
Wie oft sollte man ein Content-Audit durchführen?
Für die meisten kleineren Websites reicht ein Durchgang pro Jahr, etwa nach dem Jahreswechsel oder vor einer größeren inhaltlichen Erweiterung. Nach einem Relaunch oder einer Umstrukturierung der Website lohnt sich ein zusätzlicher Durchgang, weil dabei häufig neue Doppelungen entstehen.
Was passiert mit gelöschten Seiten, die noch extern verlinkt sind?
Verweist ein externer Link auf eine gelöschte Seite, sollte diese Seite nicht einfach mit 410 oder 404 verschwinden, sondern per 301 auf die inhaltlich passendste verbliebene Seite weiterleiten. So geht die bereits vorhandene Verlinkung nicht verloren.
Muss jede überarbeitete Seite komplett neu geschrieben werden?
Nein. Oft reicht es, veraltete Angaben zu korrigieren, fehlende Aspekte der Suchabsicht zu ergänzen und die Überschriftenstruktur zu schärfen. Eine komplette Neufassung lohnt sich nur, wenn der bestehende Text thematisch zu knapp oder inhaltlich überholt ist.
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