Google räumt mit URL-Mythen auf: Was in der Adresse wirklich zählt
Google hat in einem eigenen Video erklärt, wie wichtig Keywords in der URL wirklich sind — und was bei Bindestrichen zu beachten ist.
Google hat ein neues Format für kleine, aber häufig gestellte technische SEO-Fragen gestartet: „The Non-Canonical Cabinet". In der ersten Ausgabe sprechen die Google-Mitarbeiter Gary Illyes und Cherry Prommawin darüber, wie die Suche mit URLs umgeht — und räumen dabei mit einigen hartnäckigen Annahmen auf, die in vielen Checklisten für Webseitenbetreiber in Bayern noch stehen.
Was Google konkret gesagt hat
Illyes bestätigt, dass Schlüsselwörter in der URL oder Domain „ein unglaublich kleines Signal" für das Ranking sind. Wer also glaubt, eine Adresse wie /webdesign-augsburg-guenstig-seo-beratung.html bringe spürbar mehr Sichtbarkeit als eine kurze, saubere URL, liegt falsch. Für die Platzierung zählt der Inhalt der Seite, nicht die Aneinanderreihung von Begriffen im Pfad. Diese Aussage ist für viele Betriebe neu, weil ältere Checklisten genau das Gegenteil empfohlen haben: möglichst viele Suchbegriffe direkt in den Pfad zu packen, in der Annahme, das zähle doppelt — einmal im Text, einmal in der Adresse.
Zur Schreibweise selbst gibt es eine klare Empfehlung: Wörter in einem URL-Pfad sollten mit Bindestrichen getrennt werden, nicht mit Unterstrichen. Google interpretiert einen Unterstrich nicht automatisch als Worttrennzeichen, einen Bindestrich dagegen schon. Wer also online-terminbuchung statt online_terminbuchung schreibt, macht es der Suchmaschine leichter, die einzelnen Wörter zu erkennen.
Auch zu Emojis in Adressen äußern sich die beiden: Googlebot crawlt Pfade mit Emoji, Browser wandeln die Zeichen dabei automatisch in eine Prozent-Kodierung um. Das ist technisch kein Problem — praktisch wirkt eine solche URL in der Ergebnisliste oder beim Teilen aber unübersichtlich. Und: Google kann Spam-Muster in URLs erkennen, etwa wenn Pfade mit immer denselben Keyword-Kombinationen künstlich aufgebläht werden.
Was das für Unternehmen in Bayern bedeutet
Viele Betriebe investieren Zeit in das nachträgliche „Optimieren" ihrer URLs, weil ältere SEO-Ratgeber Keywords in der Adresse als wichtigen Hebel beschrieben haben. Nach Googles eigener Aussage lohnt sich dieser Aufwand kaum. Wichtiger bleibt, dass eine URL für Menschen lesbar ist: Ein Interessent, der einen Link in einer E-Mail oder auf einer Visitenkarte sieht, sollte am Pfad erkennen, worum es geht — etwa /leistungen/heizung-sanitaer statt einer kryptischen ID.
Praktisch heißt das für die eigene Website:
- Neue Seiten bekommen kurze, sprechende Pfade mit Bindestrichen — keine Unterstriche, keine überlangen Keyword-Ketten.
- Bestehende URLs mit Unterstrichen müssen nicht zwingend umgestellt werden; eine Umstellung bedeutet immer eine technische Weiterleitung und damit ein gewisses Risiko. Abwägen lohnt sich nur, wenn ohnehin ein Relaunch geplant ist.
- Sonderzeichen wie Emojis gehören nicht in URLs, auch wenn sie technisch funktionieren — sie erschweren das Lesen und Teilen des Links.
- Der Fokus bei neuen Seiten liegt auf dem Inhalt: Eine klare Antwort auf die Nutzerfrage wirkt stärker als jede Pfadoptimierung — mehr dazu im Beitrag zum Zusammenspiel von Technik und Inhalt.
Was jetzt nicht zu tun ist
Wer bestehende Seiten allein wegen der URL-Struktur umbenennt, verschiebt damit Linkkraft und riskiert tote Links ohne Weiterleitung. Das Video liefert keinen Anlass für einen URL-Umbau auf einer bestehenden Website — es korrigiert lediglich eine Erwartung, die ohnehin nie zum Kern guter SEO-Arbeit gehörte.
Auch die Frage „Soll ich meine URL jetzt kürzer machen?" lässt sich aus dem Video nicht pauschal beantworten. Eine lange, aber klar lesbare URL mit zwei oder drei beschreibenden Wörtern ist kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn ein Pfad wie eine Aneinanderreihung von Werbetexten wirkt oder wenn automatisch generierte Parameter die Adresse unleserlich machen — das betrifft vor allem Shop-Systeme mit Filtern und Sortierungen, weniger klassische Unternehmenswebsites mit festen Unterseiten.
Für die Kontaktseite, die Leistungsseite oder die Über-uns-Seite reicht es meist, einmal beim Anlegen auf einen kurzen, verständlichen Pfad zu achten und ihn danach nicht mehr anzufassen. Jede spätere Änderung kostet mehr Aufwand — Weiterleitung einrichten, Canonical-Tags prüfen, interne Links anpassen, abwarten, bis Google die neue Adresse übernommen hat — als sie an Sichtbarkeit bringt.
Quellen
Search Engine Roundtable: Google Search Video On URLs: Ranking Factor, Hyphens vs Underscores & Emojis
Search Engine Journal: Google Launches A Video Series For Odd Technical SEO Questions
Kurz beantwortet
Verbessern Keywords in der URL das Ranking?
Kaum. Google selbst bezeichnet Schlüsselwörter im URL-Pfad als ein sehr kleines Rankingsignal. Der Inhalt der Seite entscheidet über die Platzierung, nicht die Wortwahl in der Adresse.
Bindestrich oder Unterstrich in der URL — was ist richtig?
Bindestriche. Google erkennt sie als Trennzeichen zwischen Wörtern, einen Unterstrich dagegen nicht zuverlässig. Bestehende URLs müssen deshalb aber nicht umgestellt werden.
Sollte ich meine bestehenden URLs jetzt überarbeiten?
In der Regel nicht. Eine Umstellung bedeutet Weiterleitungen und ein gewisses Risiko für bestehende Platzierungen. Sinnvoll ist das nur im Rahmen eines ohnehin geplanten Relaunchs.
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