SEO bei mehrsprachigen Websites: hreflang ohne Kopfschmerzen
hreflang zeigt Google, welche Sprachversion zu welchem Land passt – richtig gesetzt vermeidet es Duplicate Content und falsche Länderauslieferung.
Wer seine Website auf Deutsch und Englisch anbietet oder zusätzlich eine Schweizer und eine österreichische Variante pflegt, kennt das Problem: Google zeigt der deutschen Nutzerin plötzlich die englische Seite, oder die Schweizer Version taucht in München vor der deutschen auf. Die Ursache liegt fast immer bei hreflang – entweder fehlt die Auszeichnung, oder sie ist falsch gesetzt.
Was hreflang eigentlich tut
hreflang ist ein Signal im HTML-Kopf oder in der Sitemap, das Google mitteilt: Diese Seite hier ist die deutsche Version, jene dort die englische, eine dritte die für Österreich gedachte. Google nutzt das Signal, um bei einer Suche die passende Sprachversion auszuliefern – vorausgesetzt, mehrere Versionen existieren und sind inhaltlich vergleichbar. Ohne hreflang behandelt Google jede Sprachversion als eigenständige Seite und entscheidet nach eigenen Kriterien, welche davon in welchem Land erscheint. Das Ergebnis ist oft unbefriedigend: deutsche Nutzer landen auf der englischen Startseite, weil die als "wichtiger" eingestuft wird, oder die Schweizer Version kannibalisiert die deutsche in den Suchergebnissen für München und Augsburg.
Die Syntax, die am häufigsten schiefgeht
Ein hreflang-Tag braucht eine Sprachangabe nach ISO 639-1 (de, en) und optional eine Länderangabe nach ISO 3166-1 (de-DE, de-AT, de-CH). Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von Sprach- und Ländercode: de-DE bedeutet Deutsch für Deutschland, nicht "Deutsch allgemein". Wer nur zwei Sprachversionen hat, Deutsch und Englisch, ohne Länderunterscheidung, kommt mit de und en aus. Erst wer tatsächlich unterschiedliche Inhalte für Deutschland, Österreich und die Schweiz pflegt, braucht die längere Schreibweise.
Der zweite häufige Fehler ist eine fehlende Rückverlinkung. hreflang muss wechselseitig funktionieren: Verweist die deutsche Seite per hreflang auf die englische, muss die englische Seite ebenso zurück auf die deutsche verweisen – inklusive eines Selbstverweises auf sich selbst. Fehlt dieser Rückverweis, ignoriert Google das gesamte Set häufig komplett, weil es die Zuordnung nicht als verlässlich einstuft.
Wo hreflang stehen kann
- Im
<head>jeder Seite als<link rel="alternate" hreflang="…" href="…">– am gebräuchlichsten, aber bei vielen Sprachversionen unübersichtlich im Quelltext. - In der XML-Sitemap als eigener Namensraum – spart Ladezeit, weil die Angaben nicht in jeder einzelnen Seite stehen, erfordert aber eine Sitemap, die korrekt gepflegt wird.
- Im HTTP-Header – selten genutzt, sinnvoll vor allem für PDF-Dateien oder andere Formate ohne HTML-Kopf.
Für die meisten Websites mit wenigen Sprachversionen reicht der <head>-Eintrag. Wächst die Zahl der Sprachversionen auf zehn oder mehr, lohnt sich der Umweg über die Sitemap, weil sich Fehler dort zentraler pflegen lassen als verteilt über hunderte Einzelseiten.
Was mit Duplicate Content passiert
Zwei nahezu identische deutsche Seiten für Deutschland und Österreich sind technisch Duplicate Content. hreflang löst das nicht automatisch auf, es ordnet die Versionen nur zu. Google versteht dann: Diese beiden Seiten sind bewusste Länderversionen, keine versehentliche Dopplung. Ohne hreflang besteht das Risiko, dass Google eine der beiden Versionen als Duplikat herabstuft oder beide gegeneinander konkurrieren lässt. Mit korrektem hreflang bekommt stattdessen die passende Version in jedem Land eine faire Chance, in den Suchergebnissen zu erscheinen.
Ein Canonical-Tag darf dabei nicht mit hreflang verwechselt werden: Canonical sagt "das ist die einzig gültige Version", hreflang sagt "das sind mehrere gültige Versionen für unterschiedliche Zielgruppen". Beide gemeinsam auf einer mehrsprachigen Seite einzusetzen, und dabei jede Sprachversion auf sich selbst kanonisch zu setzen, ist der sichere Weg.
Praktische Reihenfolge für den Einstieg
Wer eine bestehende Website um eine zweite Sprachversion erweitert, sollte zuerst die Struktur klären: eigene Unterverzeichnisse wie /en/ sind pflegeleichter als Subdomains oder länderspezifische Domains, und für kleinere Unternehmen in aller Regel ausreichend. Das ist derselbe Grundsatz wie bei jedem technischen SEO: eine saubere, einfache Struktur verursacht später weniger Fehler als eine komplizierte. Danach folgt die gegenseitige Verlinkung jeder Seite mit jeder ihrer Sprachversionen, inklusive Selbstverweis. Erst wenn das steht, lohnt sich eine Prüfung in der Google Search Console: Der Bericht zu internationaler Ausrichtung zeigt, ob Google die hreflang-Angaben akzeptiert oder Fehler meldet. Kleine Unternehmen mit nur einer zusätzlichen Sprachversion sollten diese Prüfung nach jeder größeren Änderung an der Website wiederholen, weil ein vergessener Rückverweis auf einer neuen Seite reicht, um das ganze Set für diese Seite ungültig zu machen. Wer unsicher ist, ob die eigene Website überhaupt für mehrere Sprachversionen ausgelegt ist, findet im SEO-Check einen ersten Anhaltspunkt.
Quellen
Google Search Central: Lokalisierte Versionen Ihrer Seiten verwalten
Kurz beantwortet
Brauche ich hreflang, wenn ich nur eine deutsche Website ohne Sprachversionen habe?
Nein. hreflang ist ausschließlich für Websites relevant, die dieselben oder sehr ähnliche Inhalte in mehreren Sprachen oder für mehrere Länder anbieten. Eine einsprachige Website braucht kein hreflang.
Reicht es, hreflang nur auf der Startseite einzutragen?
Nein. hreflang muss auf jeder einzelnen Seite stehen, die in mehreren Sprachversionen existiert, nicht nur auf der Startseite. Fehlt die Auszeichnung auf Unterseiten, behandelt Google diese wie einsprachige Einzelseiten.
Was passiert, wenn ich hreflang falsch setze?
Google ignoriert im Zweifel das gesamte hreflang-Set für die betroffenen Seiten und entscheidet selbst, welche Version in welchem Land erscheint. Das führt häufig dazu, dass Nutzer die falsche Sprachversion sehen oder Versionen sich in den Suchergebnissen gegenseitig verdrängen.
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